Island 2026
Fast 10 Jahre sind vergangen, seit ich zum ersten Mal auf dieser Insel war. Am 14.4.2026 wird es wieder soweit sein. Zusammen mit meiner Frau werde ich wieder die Magie dieser Insel erleben dürfen.
Ich werde versuchen, hier von unseren Eindrücken zu berichten.
10.4. - 12.4. Vorbereitungen...
Die Reiseunterlagen wurden einem (vor)letzten Check unterzogen. Die Übernahme der Tickets in die DB Navigator-App hat leider nicht funktioniert, also wurden die Rail&Fly Tickets von Duisburg nach Berlin ausgedruckt. Komplett papierlos geht es also noch nicht.

Wichtige Entscheidungen sind zu treffen.
Es gibt Fragen, die bleiben stets aktuell: Welche Farbe?



Die Entscheidungen zum Fotoequipment sind gefallen. Auf Island wird sich herausstellen, ob die Entscheidungen weise getroffen wurden. Mit den Brennweiten 14-35, 24-70 und 70-200 ist eigentlich alles abgedeckt.
14.4. Abflug vom BER zum KEF


Island, wir kommen!
Von angenehmen Erfahrungen am BER, nettem Flugpersonal und von durch Dummheit verpassten Gelegenheiten...
Da wir rechtzeitig am BER angekommen waren, haben wir uns das Prachtstück deutscher Planung- und Ingenieurskunst, in aller Ruhe angeschaut. Schön, ist er geworden! Schön ist auch, dass man selbst mitgebrachte (klare) Getränke anstandslos durch die Sicherheitskontrolle bekommt. Ausserdem war dank des Streiks des Lufthansapersonals wirklich nicht viel los. Alle (Personal und Reisende) wirkten entspannt.

Unser Flug nach Keflavik ging pünktlich in die Lüfte und auch das Personal der Icelandair war trotz nahezu vollbesetztem Flieger völlig entspannt.

Und weil alles so entspannt verlief, landeten wir pünktlich in Keflavik. Die Gepäckausgabe verlief genauso entspannt, wie bisher alles andere und ruckzuck waren wir auch an der Einreise-"Kontrolle" vorbei.
An den Mietwagen zu kommen war etwas komplizierter, letztendlich aber auch recht geschmeidig. Vertrag unterschrieben, Schlüssel bekommen und rein ins Auto, auf nach Reykjavik!

Nun zu den durch Dummheit verpassten Gelegenheiten...
Das Hotelzimmer war schnell bezogen und wir haben uns dann auf den Weg gemacht, um ein Wahrzeichen der Stadt unsere Aufwartung zu machen.
Wer schon mal in Reykjavik war und vor der Hallgrimskirkja stand, weiß, dass sich dort immer viele Menschen tummeln und durch das Bild laufen. Ein Horror für Fotografen, die dieses Motiv einfach mal frei von gewusel fotografieren wollen. Aber heute war mein Tag gekommen! Alke und ich stehen vor der Kirche und keine "Sau" steht "im Bild herum". Also Kamera flugs aus dem Rucksack geholt. Ich brauchte die Camera noch nicht einmal einschalten, denn das hatte ich bereits vor 3 Tagen, zuhause, gemacht! Ja, leider hat auch hier die Physik erbarmungslos zugeschlagen: Der Akku der Camera war inzwischen leer. So richtig leer. Scheiße! Und NEIN, ich hatte kein Ersatzakku dabei.
Uns blieb dann nur noch, die Smartphones zu zücken und wie ein blöder Tourist, das grandiose Bauwerk mit dem Smartphone zu knipsen.

Und was für die Kirche gilt, gilt auch genauso für die "Sonnenfahrt". Niemand, der im Bild rumsteht. Aber der Akku war immer noch leer:

Natürlich ärgert man sich über so eine Dummheit. Aber wir haben einen Plan B für den nächsten Montag! Wie sagte schon Paulchen Panther?: "Heute ist nicht alle Tage, ich komm' wieder, keine Frage!"
15.4. von Reykjavik nach Vik

Was für ein Tag! Wasser von unten (heiß), Wasser von oben (nass), Parkapps die einfach nicht wollen und Wetter das besser nicht sein konnte
Der Kartenausschnitt gibt nicht den korrekten Reiseverlauf wieder. Wenn man eine Islandrundreise von Reykjavik startet, stellt sich immer die Frage: Geysir und Gulfoss direkt in die erste Etappe aufnehmen, oder auf den letzten Tag schieben?
Da ich ja mit dem Akku der Camera gepatzt habe, fällt die Option "auf den letzen Tag schieben" aus. Also ging es nicht über LOS sondern direkt zum Geysir (Wasser von unten, heiß). Island ist seit langem schon im 21. Jahrhundert angekommen und überwacht viele Parkplätze mit Videocameras. Dabei werden die Parkgebühren über eine App abgerechnet. Um es kurz zu machen: Hat bei mir nicht geklappt. Ich werde wohl noch eine Rechnung vom Mietwagenverleiher bekommen.
Aber das Schauspiel, welches sich unweit des Ort des Scheiterns abspielte, ließ alles vergessen. Der Geysir zeigte sich von seiner besten Seit und spie alle fünf Minuten eine Fontäne aus. Ich persönlich war noch mit dem Parkfrust beschäftigt aber meine Frau hat eines dieser Ereignisse in einem tollen Video eingefangen:
Der Geysir spuckt!
Vom Geysir bis zum Gullfoss ist es nicht weit. Den Frust mit der Parkapp fast vergessen, ging es weiter zum Gullfoss. Meiner Meinung nach, ist das der zweitschönste Wasserfall, den Island zu bieten hat. Auf dem Parkplatz angekommen war die Freude groß: Hier kann man kostenlos parken! ;-)
Dieser Gullfoss ist wirklich ein Spektakel. Und im Normalfall kann man ihn auf zwei "Ebenen" besichtigen. Die "untere Ebene war leider, wegen des restlichen Schnees auf den Wegen, gesperrt. So blieb uns "nur" die "obere Etage" zur Besichtigung. (Tipp von uns an dieser Stelle: Beide Ebenen lohnen sich! Fangt mit der oberen an, denn dann könnt ihr gut überblicken, wie nah ihr auf der "unteren Ebene" an den Wasserfall kommt.) Vor zehn Jahren war ich mit meinem besten Freund (winke winke, Klaus!) schon einmal vor Ort. Damals hatten wir schon Glück mit dem Wetter. Und so auch bei unserem heutigen Besuch! Dieser Wasserfall ist so beeindruckend!

Von hier ging es dann zurück auf die eigentliche Route, entlang der Ringstraße zum Seljalandsfoss. Wasser von unten (heiß), gutes Wetter und Parkfrust hatten wir schon. Es fehlt noch "Wasser von oben (nass)".
Davon gab es am Seljalandsfoss jede Menge. Mein Besuch vor zehn Jahren war mir noch sehr gut in Erinnerung. Ja gut, die Gischt hat damals schon die Wasserbeständigkeit unserer Kleidung getestet. Aber was heute von oben kam, war mit den Mengen von 2016 nicht zu vergleichen! Ich wage zu behaupten, dass jetzt im April 2026 die doppelte Menge Wasser den Hang hinunter stürzt. Wir wurden nass, und zwar richtig! Das wundervolle am Seljalandsfoss ist, dass man hinter dem Wasserfall durchgehen kann, OHNE nass zu werden. Letzteres war heute nicht möglich. Gischt und Wind sorgten dafür, dass niemand trocken blieb, der sich in der Nähe dieses Wasserfalls aufgehalten hat. Aber wenn man schon mal hier ist, dann ist der Besuch des Seljalandsfoss ein absolutes Muss!

Am Parkplatz haben wir uns, wie viele andere Besucher, "trockengelegt". Ach ja: Hier am Parkplatz war noch "oldschool" ein Automat, mit dem man mit Kreditkarte (kontaktlos) zahlen konnte.
Trocken und frohen Mutes ging es weiter entlang der Route zu unserem Hotel. Auf der Route liegt auch noch der Skogafoss. Den kennen alle, die den Film "Das geheimnisvolle Leben des Walter Mitty" gesehen haben. Denn in einer Szene läuft Walter Mitty (Ben Stiller) vor dem Wasserfall durchs Bild.
Der Skogafoss ist auch beeindruckend schön und auch auf zwei Ebenen zu besichtigen. Der Aufstieg über die 370 Stufen lohnt sich für einen tollen Ausblick über das Land, aber nicht für eine gute Sicht auf den Wasserfall. Hier ist definitiv die Ansicht von unten die Spektakulärere. So sieht die Landschaft von oben aus:

Jetzt aber ab zum Hotel, der Tag war schon ein bisschen anstrengend. Ach ja, einiges möchte ich unbedingt noch nachreichen. Parkfrust hin oder her: Egal wo wir waren: Es gab überall saubere und kostenlose Toiletten!
Bis morgen!
16.4. von Vik nach Høfn
"Hoch war schon scheisse, runter macht es noch viel mehr Spaß!"
Heute war ein wirklich anstrengender Tag. Wir sind zwar sehr viel mit dem Auto gefahren, aber wir haben uns auch ordentlich bewegt. Hint: Irgendwo muss die Überschrift ja herkommen. Aber eins nach dem anderen:
Als wir heute wach wurden, schauten uns zwei, in Island weltberühmte, Figuren an.

Die Beiden haben heute Nacht unser Auto bewacht.
Nach einem wunderbaren Frühstück, packten wir noch schnell unser Mobil und machten uns an den "schwarzen Sandstrand" von Vik.
Der Strand erstrahlte für uns in einer ungewöhnlichen Schönheit. Das was man im Internet zu diesem Strand findet, trifft zu 100% zu: Irre schön!


Ikonisch, oder?
Jetzt ging es aber planmäßig weiter.
Die erste Hürde war schon unser gewünschtes Ziel "Fjadrargljufur" im autoeigenem Navi zu finden. Unsere Smartphones lieferten das gewünschte Ziel. Also los ging´s.
Vehicle problemlos geparkt (ja, Uwe hat inzwischen seinen Frieden mit der Parkapp gemacht), Fotorucksack aufgesetzt und hochambitioniert losgelaufen. Die Schlucht offenbarte ihre Schönheit leider erst nach einem beschwerlichen Aufstieg (ohne Fleiß kein Preis).
Das Fehlen vom Meniskus in Uwes rechtem Knie machte sich nach wenigen Metern bemerkbar. Aber wer schöne Fotos machen will, muss leiden.

Manchmal muss man seine Höhenangst ausblenden
Jetzt ging es weiter zum Svartifoss. 2016 geriet dieser bei Klaus und mir in Vergessenheit. Dieses Jahr sollte das nicht noch mal passieren.
Und wenn wir dachten der Weg an der Schlucht sei beschwerlich, wurden wir schnell eines besseren belehrt.
Uwe ging dennoch tapfer (trotz erheblicher Knieprobleme) bis auf Höhe des "Hundafoss" (etwa halbe Höhe) mit mir mit. Dann sah Uwe für sich keine Notwendigkeit, sich weiter für ein paar Fotos zu quälen (der Geist war schon nicht mehr richtig willig, aber das Fleisch war wirklich schwach) und Alke ist alleine weiter gegangen. Der Abstieg war für Uwe dann doch noch eine Herausforderung. Die Bremskraft lag in den Knien und da war der Bremskraftverstärker aka "Meniskus" leider nicht mehr vorhanden.

Alkes weiterer Aufstiegt liest sich wie folgt:
Mein restlicher Aufstieg war okay. Obwohl ich meine Enttäuschung nicht verstecken konnte. Ich sah den "Svartifoss" schon von weitem. Er hat mich nicht so abholt wie der eine oder andere Wasserfall auf dem Weg dahin.
Bei den letzten 200 m hatte ich keine rechte Lust mehr 150 m in die Tiefe zu gehen und habe nach ein paar Fotos den Rückweg angetreten.

Dieser wurde für mich sehr kurzweilig, da die vielen Wassergeräusche (und die vielen Flaschen Wasser auf der Fahrt dahin) meinen Druck auf der Blase förmlichst anfeuerten und die nächste Toilette im Tal war (das war ein Spaß).
Währenddessen hat Uwe seinem Kumpel Klaus mitgeteilt, dass der Auf- und ganz besonders der Abstieg zum Svartifoss nix mehr für die Knie sind. Daher die Überschrift: "Hoch war schon scheisse, runter macht es noch viel mehr Spaß!"
Ach ja, da war ja noch etwas: Der See Jökulsarlon am Fuße des Gletschers "Vatnajoküll". Hier lädt der Gletscher seinen eisigen Ballast ab, der dann durch eine kleine Passage in den Atlantischen Ozean reist. Bei tollem Licht, bot sich uns ein wundervolles Schauspiel:

Die beiden Auf und Abstiege zu Beginn unserer Tagestour haben heute viel Kraft, aber auch viel Zeit gekostet. als wir gegen 20:15 Uhr am Hotel ankamen, fanden wir eine verwaiste Rezeption vor. Aber auf dem Tresen lag ein Briefumschlag mit allen wichtigen Informationen zum "Self check-in".
Und noch etwas: Was haben isländische Hotelbetreiber:innen eigentlich gegen Frischluft in den Zimmern?

Jetzt erst mal schlafen. Bis morgen!
17.4. von Høfn nach Egilsstadir

Kilometer 0 – Höfn, die Unterschätzte
Bevor wir uns mutig in Richtung Egilstaðir warfen, beschlossen wir, der Stadt Höfn die Ehre zu erweisen. Wie von unsichtbarer Hand gelenkt – oder möglicherweise vom Geruch von Salzwasser – landeten wir ohne Umwege an der Mole. Die Sonne stand noch tief, hatte aber offensichtlich schon ihren ersten Kaffee getrunken und wärmte bereits ordentlich. Nach genau zehn Minuten Fahrt legten wir also unseren ersten Stopp ein. Touristisch gesehen ein beeindruckendes Durchhaltevermögen.

Eine ortskundige Einheimische klärte uns auf, dass sich auf dem kleinen Eiland vor der Küste an guten Tagen bis zu 120 Robben dem ernsthaften Geschäft des Sonnenbades widmen. Wir nickten ehrfürchtig. Profis, diese Robben.
Kilometer 16 – Vestrahorn, oder: Die Erleuchtung des Sparfuchses
Im Jahr 2016 hatten wir Vestrahorn schlicht und ergreifend verschlafen. Diesmal bestand Uwe jedoch darauf, diese gewaltige Felsformation am Atlantik zu besuchen – angestachelt von diversen YouTube-Fotografen, die dort dramatische Bilder produziert hatten und die Uwes künstlerische Ader offenbar empfindlich gekitzelt hatten.
Dann kam die Maut. 16 Euro für die letzte Meile zum optimalen Fotospot. Uwes Gesicht durchlief sämtliche Stadien des Kummers. Es war Alke, die sanft aber bestimmt die Geldbörse ihres Mannes auf die richtige Seite der Geschichte bugsierte. Uwe hätte sich das vorher nicht vorstellen können. Wir alle haben Dinge, die wir nicht von uns wussten.
Und dann – Schweigen. Zwei Stunden verbrachten wir damit, einfach nur dazustehen und dieses Monument zu bestaunen. Wer auf Landschaften steht, die einen innerlich durchrütteln: Pflichtprogramm. Keine Diskussion.

Zum Abschluss statteten wir noch der ersten Wikingersiedlung Islands einen Besuch ab, die malerisch am Fuße des Vestrahorn liegt. Ob es wirklich die erste ist? Die Wikinger selbst haben leider keine Bewertung bei Google hinterlassen, also: Es wird behauptet. Floki würde es gutheißen.

Kilometer 80-ish – Die große isländische Naturorgie
Was dann folgte, lässt sich schwer in Worte fassen, weshalb wir es trotzdem versuchen: traumhafte Weiten, moos- und schneebedeckte Felsformationen, eine Landschaft, die einem abwechselnd den Atem und den Verstand raubt. Wir hielten an, wann immer es uns zu schön wurde – was auf dieser Strecke ein logistisches Problem darstellt, da es eigentlich nie aufhört, zu schön zu sein.

Kleiner Seufzer an dieser Stelle: 2016 konnte man mit dem Auto noch einfach von der Ringstraße abbiegen, mitten ins Nirgendwo fahren und neben einem Wasserlauf in ehrfürchtigem Schweigen versinken. Die Isländer haben diese Freiheit inzwischen mit diskreten, aber unmissverständlichen baulichen Maßnahmen beendet. Man versteht es. Man betrauert es trotzdem. Die Axt im Walde, sozusagen.
Kurz vor Egilstaðir – Der letzte Hingucker
Gut, dass dort ein Parkplatz war. Wir hätten sonst mitten auf der Straße angehalten. Fotos wurden gemacht. Alke bezwang heldenhaft ihre Höhenangst und lieferte ein beeindruckendes Video ab. Standing Ovations.
Kilometer 251 – Ankunft & Verdienst
Der Rest der Strecke: kurvenreich, malerisch, irgendwann einfach nur noch Hotel. Wir sind angekommen. Die Hotelbar wartet. Sie weiß es nur noch nicht.
In diesem Sinne: Skál! 🥃
18.4. Von Egilsstadir nach Myvatn
Gestern Sonnenbrand, heute Gefrierbrand

Nach einem Frühstück, das sich irgendwo zwischen „solide” und „man hat Schlimmeres gegessen” einordnen ließ, steuerten wir heute eine ikonische Filmkulisse an. In „The Secret Life of Walter Mitty” donnert Ben Stiller auf einem Longboard die kurvenreiche Straße nach Seydisfjördur hinunter – eine Szene, die genauso cool aussieht, wie sie sich anfühlen muss. Entlang dieser Strecke warten einige kleine, aber charaktervolle Wasserfälle darauf, fotografiert zu werden.
Wer von Egilsstadir dorthin möchte, muss zunächst ein paar Höhenmeter investieren. Je höher wir kamen, desto deutlicher erinnerte uns die Landschaft daran, dass Island grundsätzlich kein Urlaubsprospekt ist. Die Schneemassen wuchsen beidseitig der Straße, bis plötzlich aus Regen Schnee wurde und die Sicht einer weißen Wand aus Schnee und Nebel wich. Island hatte kurz das Licht ausgemacht.
Jenseits des Scheitelpunkts besserten sich Straße und Sicht wieder schlagartig – aus Schnee wurde Regen, und wir konnten endlich jene Strecke bewundern, die Walter Mitty einst gekonnt per Longboard absolviert hatte. Ursprünglich stand auch der Haifoss auf dem Programm, aber Frau Holle hatte in den letzten Wochen ganze Arbeit geleistet und Parkplatz sowie Zugang kurzerhand unzugänglich gemacht. Zum Glück wartete noch der charmant benannte Gufufoss auf uns – kleiner als sein berühmter Nachbar, aber durchaus nicht weniger fotogen. Trotz Schnee und Matsch gut erreichbar und mit Freude abgelichtet.

Nächste Station: der Dettifoss. Der Arnold Schwarzenegger unter Islands Wasserfällen – irre groß, irre laut und von einer Schönheit, die einen kurz vergessen lässt, wie kalt es gerade ist. Auf dem Weg dorthin wurde die Landschaft immer weißer, fast ein bisschen beunruhigend. Wenn man bedenkt, dass die Schneeschmelze schon seit Wochen im Gange ist, mag man sich gar nicht vorstellen, welche Schneemengen hier noch im Februar gelegen haben müssen. Zwischendurch statteten wir noch dem Rjukandafoss einen kurzen Besuch ab – ein Wasserfall, der sich dramatisch aus dem Nichts auftut. Nach der obligatorischen Fotosession gab es dort auch das zweite Frühstück. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nun aber zurück zum Dettifoss und einer Geschichte, die in keinem Reiseführer steht.
Im Vergleich zu unserem letzten Besuch 2016 hatte sich nicht nur das Wetter verändert, sondern auch die Anfahrt. Damals: zehn Kilometer breite, gerade Schotterpiste – rustikal, aber ehrlich. Heute: eine tadellos ausgebaute, 20 Kilometer lange Asphaltstraße mit Kurven, Aussichten und sogar einem asphaltierten Parkplatz. Rechts und links: Schneewände und Schmelzwasserseen. Zivilisation trifft Wildnis.
Am Parkplatz dann die erste Ernüchterung: Die Wege zum Wasserfall waren nicht geräumt. Stattdessen lag der Schnee – wie wir bald am eigenen Leib erfahren sollten – stellenweise noch satte 60 Zentimeter hoch. Und was entsteht, wenn Schnee auf viel begangenem Weg zu schmelzen beginnt? Richtig: eine tückische Mischung aus Schnee, Eiswasser und Matsch, die nach außen hin harmlos wirkt und innerlich auf Opfer wartet.
Die kamen prompt.
Zuerst erwischte es Alke – linkes Bein, bis zum Knie versunken. Befreit. Kurze Pause. Rechtes Bein, ebenfalls versunken. Auch befreit. Kaum hatte Alke wieder festen Boden unter den Füßen, war Uwe dran. Rechtes Bein: raus. Linkes Bein: fest. So richtig fest. Und während das linke Bein feststeckte, suchte sich das Eiswasser – mit der Zielstrebigkeit, die man nur von isländischem Schmelzwasser kennt – seinen Weg ins Schuhwerk.
Fünf Minuten, Alkes tatkräftige Hilfe und ein wachsendes Publikum später war Uwe befreit. Der gesamte Wanderweg war zwischenzeitlich blockiert. Aus der Menge waren Sätze zu hören wie: „Ach du Scheiße, der steckt da fest!”, „Der kommt da nicht mehr raus!”, „Kann man denn gar nichts machen?” – und schließlich, wie ein kollektiver Seufzer der Erleichterung: „PUH, ER IST RAUS!”
Einige Zuschauer nutzten diesen Anblick als Warnung und kehrten direkt um. Eine kluge Entscheidung.
Wir taten es ihnen gleich. Eiskalte Hände, durchnässte Schuhe und der Gedanke, dass der Dettifoss auch auf Fotos beeindruckend ist – das reichte. Am Auto folgte der Kleidungswechsel, und wir machten uns auf Richtung Myvatn.
Kurz vor dem wunderschönen See passierten wir heiße Quellen – ein Ort, der optisch beeindruckt und olfaktorisch fordert. Hier dürfte die Geburtsstunde der Stinkbombe liegen. Schade, dass es noch keine Geruchsfotos gibt.
Augen auf, Nase zu!
Nach ausgiebiger Schwefelluft-Inhalation erreichten wir das Hotel. Die Schuhe wanderten in den Trockenraum (morgen soll’s schließlich weitergehen), und zur Feier des Tages gönnten wir uns eine Pizza zu einem Preis, der in Deutschland einen mittleren Herzinfarkt auslösen würde. Island eben.

Bis morgen!
Nachtrag:
Dass Schlaflosigkeit auch ihre guten Seiten hat, beweist das Foto weiter unten eindrucksvoll. Wie schon 2016 waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort – vermutlich eine Mischung aus Glück und krankhaftem Optimismus.
Obwohl der Abendhimmel aussah, als hätte er sämtliche Wolken Nordeuropas eingeladen, haben wir beharrlich immer wieder die Polarlichter-App bemüht. Die Chancenangaben waren wenig ermutigend, der Himmel schwieg vielsagend.
Doch dann: Als Uwe gegen 1 Uhr nachts hellwach lag – sein Körper offenbar der Meinung, Urlaub sei eine prima Gelegenheit für Schlafentzug – war sie plötzlich da. Die Magie aus Sonnenwinden und Erdmagnetfeld, schwach, aber unverkennbar.
Vom Anblick beflügelt, beschloss Uwe, Alke zu wecken. Was folgte, fiel allerdings etwas weniger sanft aus als geplant. Alke schreckte hoch, als hätte jemand Feueralarm ausgelöst, und stand mit weichen Knien und Schwindel mitten in der Nacht. Trotzdem verfolgten wir beide – sie noch leicht schwankend – das Himmelsspektakel vom Fenster aus.
Uwe jedoch ließ der Gedanke keine Ruhe, sein Kamerastativ nicht umsonst nach Island geschleppt zu haben. Also zog er sich tapfer nochmals an und trat hinaus in die Nacht, bewaffnet mit Kamera, Stativ und dem unbedingten Willen zur Dokumentation.
Ob das geklappt hat – urteilt selbst!:

19.4. : Von Myvatn nach Hvammstangi
Der Godafoss hat geliefert

„Mückensee” – eine Mogelpackung
„Myvatn” bedeutet auf Deutsch „Mückensee”. Der See hat diesem Namen jedoch in keiner Weise Ehre gemacht – nicht eine einzige Mücke fand den Weg zu uns oder unseren Blutbahnen. Eine glatte Verbrauchertäuschung. Ich werde bei der isländischen Regierung formell eine Namensänderung beantragen. „Sehr angenehmer See ohne nerviges Getier” wäre ein Anfang.
Noch beflügelt von den Nordlichtern und angenehm gesättigt vom hervorragenden Frühstück, machten wir uns – mit demonstrativ trockenen Schuhen – auf den Weg zu Uwes persönlichem Heiligtum: dem Godafoss. Ein wunderschöner, hufeisenförmiger Wasserfall, dem man sich von Osten wie von Westen nähern kann. Wir starteten im Osten – und wurden nicht enttäuscht. Im Gegensatz zum Dettifoss, der uns zuletzt etwas mehr Demut abverlangt hatte, präsentierte sich der Godafoss heute geradezu einladend: asphaltierte Wege, mehrere Aussichtspunkte, traumhafte Blicke. Was sich gut fürs Blickewerfen eignet, eignet sich bekanntlich auch gut fürs Fotografieren – und so entstanden bei weiterhin trockenen Füßen ausgezeichnete Aufnahmen.

Nun also: rüber in den Westen. Was im Osten galt, ließ sich dort allerdings nicht ganz so selbstverständlich fortschreiben. Die gepflegten Asphaltwege wechselten sich mit schneebedeckten Schotterpisten ab – an die wir noch die eine oder andere wenig nostalgische Erinnerung hegten. Fotos haben wir trotzdem bekommen. Gute sogar.

Vom Westen in Richtung Osten geschaut
Und dann, aus einer Mischung aus Abenteuerlust und möglicherweise leicht getrübtem Urteilsvermögen, wählten wir einen Weg der Kategorie „hmmm, ich weiß nicht”. Diesen Übermut bezahlten wir standesgemäß: mit im Schlamm versunkenen Schuhen. Wer hätte auch ahnen können, dass der Boden während der Schneeschmelze matschig ist? Also wirklich.
Schuhe notdürftig gereinigt, Würde soweit wiederhergestellt – weiter nach Akureyri. Die Stadt zählt zwar nur rund 20.000 Einwohner, wirkt nach fünf Tagen Island jedoch wie eine pulsierende Metropole. Erstaunlich, wie schnell man sich an weite Landschaften, wenig Menschen und noch weniger Verkehr gewöhnt – und wie fremd das Gegenteil plötzlich wirkt.
Nach einem kurzen Einkaufsstopp ging es weiter zum nächsten Hotel in Hvammstangi. Die Strecke dorthin war im Vergleich zu allem bisher Gefahrenen… nennen wir es höflich „beschaulich”. Ob die Landschaft tatsächlich weniger spektakulär war oder ob schlicht ein Gewöhnungseffekt einsetzte, lässt sich schwer sagen. Vermutlich beides.
Unterm Strich ein ruhigerer Tag – aber der Godafoss hat alles gegeben. Unser Urteil bleibt bestehen: Er ist der Schönste unter den isländischen Wasserfällen.
Bis morgen!
20.4. Von Laugarbakki nach Reykjavik
Von versunkenen Schuhen die 2., Wasser aus den Wänden und Geduld die sich auszahlt

Frühstück? Heute wieder eine Offenbarung – mit dem besten Kaffee der gesamten Reise. Wer so in den Tag startet, den kann eigentlich nichts mehr erschüttern. Fast.
Gestärkt und in bester Laune machten wir uns auf die vorletzte Etappe unseres Islandurlaubes. Die Landschaft schaltete dabei zügig vom Modus „ganz nett” auf „bitte kurz die Kinnlade wieder einsammeln”. Schon nach wenigen Minuten sah Uwe sich berufen, die Szenerie der Nachwelt zu erhalten. Also: Haltebucht, Kamera raus, Kunst entsteht.
Da fiel Alkes Blick auf einen wunderschönen türkis-blau schimmernden Wasserlauf auf der anderen Straßenseite. Als aufmerksamer Ehemann und mutiger Entdecker machte sich Uwe sofort daran, die andere Straßenseite zu erobern. Was er dabei großzügig ausgeblendet hatte: Schneeschmelze bedeutet, dass der Untergrund seine gewohnte Festigkeit gegen eine butterweiche Konsistenz eintauscht. Island erinnerte ihn daran mit beiden Füßen gleichzeitig. Tief. Die Lachsalve von der anderen Straßenseite war unter diesen Umständen schlicht unvermeidlich. Uwe nahm es mit Fassung – und ließ sich die Heiterkeit mit einem vollständigen Schuhputzdienst vergüten. Gerechtigkeit existiert.
Mit wieder präsentablen Schuhen fuhren wir weiter zum Hraunfossar – einem Wasserfall, der sich nicht entscheiden konnte, nur einer zu sein, und deshalb kurzerhand aus Dutzenden besteht. Das Wasser sprudelt einfach so aus den Felswänden, als hätte sich Island gedacht: Wozu Leitungen? Smaragdgrün schimmernd schlängelt es sich durch die Landschaft, und Alke hatte sofort eine neue Nummer eins in ihrer persönlichen Island-Hitparade. Besonders erfreulich: Der Parkplatz war fast leer – kein Gedränge, keine Park-App, keine Ellbogenmentalität beim Suchen des perfekten Fotowinkels. Uwe packte sein gesamtes Arsenal aus: Kamera, Stativ, Filter für Langzeitbelichtungen. Ob sich der Einsatz der schwindelerregend teuren Technik gelohnt hat, wird sich zuhause zeigen. Die Erwartungshaltung ist jedenfalls gesetzt.

Auf halbem Weg nach Reykjavik meldete sich dann ein bescheidenes Hüngerchen. Diesmal gut vorbereitet – Brot, Butter, leckerer Käse im Gepäck – und mit einem Trollpark als stiller Kulisse gönnten wir uns ein Picknick im Grünen. Schöner kann man eine Reisepause kaum gestalten.


Frisch gestärkt: der große Auftritt in Reykjavik. Die Hallgrimskirkja wartete – und diesmal mit vollem Kameraakku. Was wir nicht eingeplant hatten, war die Geduldsprüfung davor. Der Platz vor der Kirche glich einem Freilicht-Fotostudio für die gesamte Instagram- und TikTok-Generation Islands. 30 Minuten wartete Uwe, während vor ihm eine Endlosschleife aus Posen, Nachschauen, Stirnrunzeln und erneuten Posen ablief. Zarte Gewaltphantasien sollen kurzzeitig aufgekeimt sein – wir schweigen höflich darüber.
Dann: Der Moment. Der gesamte Vorplatz leerte sich wie auf Kommando. Drei Minuten, keine Menschenseele. Uwe – Profi durch und durch, Akkupflege mal ausgenommen – hatte natürlich längst alle Einstellungen vorgenommen. Sechs Aufnahmen später war die Mission erfüllt.
Weiter zur Sonnenreise, dem stilisierten Wikingerschiff an der Promenade. Standort gefunden, auf das richtige Licht gewartet. Diesmal fiel das Warten leicht – und die Fotos waren schnell im Kasten. Inzwischen hatte Island die Temperatur unauffällig in Richtung „wirklich jetzt ins Hotel” gesenkt. Dem folgten wir klaglos.

Bis morgen!
21.4. Von Reykjavik nach Keflavik
Unser letzter Tag auf der Reise

Da die ToDo-Liste heute im Wesentlichen aus „Bummeln” und „Mitbringsel-Beschaffungslogistik” bestand, haben wir uns beim Frühstück ausgiebig Zeit gelassen – ganz nach dem Motto: Wer früh aufsteht, hat zwar mehr vom Tag, aber wir hatten es ja nicht eilig.
Völlig leer war die Liste allerdings nicht. Obwohl wir beide mit dem Kirchgang eher auf Kriegsfuß stehen, wollten wir die Hallgrímskirkja wenigstens einmal auch von innen kennenlernen. Und das Timing hätte kaum besser sein können: Beim Betreten der Kirche empfing uns ein Organist mit einem beeindruckend voluminösen Klang, der selbst überzeugte Gottesdienstmuffel zum Verweilen einlädt. Uwe fühlte sich dabei deutlich eingeladener als Alke – und so trennten sich unsere Wege für genau eine Stunde, verabredet am selben Ort. Uwe genoss das Orgelspiel, Alke genoss die Einkaufsmöglichkeiten der Reykjavíker Innenstadt. Leider hatte der Organist von unseren Plänen nichts erfahren und beendete sein Spiel bereits eine Viertelstunde nach Alkes strategischem Rückzug in Richtung Shoppingmeile. Uwe nutzte die gewonnene Stille, um sich mit dem Inneren der Kirche eingehender vertraut zu machen.
Vor der Kirchentür hatte sich inzwischen ein schicker Dunstschleier über den zuvor klaren Himmel gelegt. Wer glaubt, dass man bei solch diffusem Licht keine guten Fotos machen kann, möge sich bitte unten eines Besseren belehren lassen. 😉

Als auch die hartnäckigsten Geschäfte nichts mehr hergaben, steuerten wir das Auto an und machten uns auf den Weg zum Airporthotel. Alke nutzte die Gelegenheit für einen Abstecher nach Keflavík – kam etwas ernüchtert, aber mit einem schönen Foto zurück. Was will man mehr.

Apropos Rückgabe: Auch der Mietwagen musste wieder an seinen rechtmäßigen Eigentümer. Erinnert ihr euch noch an Uwes epischen Kampf mit der Park-App? Dieser Frust materialisierte sich nun in Form einer Strafe zuzüglich Bearbeitungsgebühr – zusammen 38 Euro, die die Mietwagenfirma mit ruhiger Hand direkt auf die Rechnung addierte. Das hat man eben von Videoüberwachung und „digitaler Abrechnung”. 😉
Der Transferbus brachte uns schließlich zum Airporthotel, wo wir nun sitzen, die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren lassen – und feststellen: Es war wirklich eine Menge.
Das offizielle Resümee verfassen wir dann zuhause. Bei einem bezahlbaren Glas Wein. 😉 Und wer weiß – vielleicht folgen hier noch ein paar Fotos in besserer Auflösung nach. Uwe weiß. Nur noch nicht, wie lange er braucht, um eine adäquate Auswahl zu treffen.
Vielen Dank fürs Lesen – bis bald!
Uwes Resümee
Die Schilderungen unserer Tagesetappen waren bewusst mit einer leichten humoristischen Note versehen. Was dabei etwas zu kurz gekommen ist, sind die eigentlich prägenden Erfahrungen: die Begegnungen mit den Menschen, die Frage nach Kommunikation und Verständigung, die Versorgungslage, der Zustand der Straßen – und nicht zuletzt, was die visuellen Eindrücke dieser Reise in mir ausgelöst haben.
Beginnen wir mit den Menschen. Ich vermag nicht genau zu sagen, woran es liegt, doch die Isländerinnen und Isländer begegnen einem mit einer bemerkenswerten Gelassenheit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. Unhöfliche oder ungeduldige Menschen sind uns schlicht nicht begegnet. Ausnahmslos alle sprachen ein sehr gut verständliches Englisch – eine einmal mehr eindrucksvolle Bestätigung dafür, welchen Wert das Beherrschen einer Fremdsprache hat. Kam man außerhalb der Hotels ins Gespräch, wurde man rasch und aufrichtig gefragt, woher man komme, ob man zum ersten Mal auf der Insel sei und wie es einem bislang gefalle. Diese Frage nach der Herkunft begegnete uns übrigens auch unter Touristen auffallend häufig.
Island – Reykjavík einmal ausgenommen – ist das sauberste Land, in dem ich bislang Urlaub gemacht habe. Vielleicht liegt es daran, dass öffentliche Mülleimer schlicht fehlen und die Menschen ihren Abfall deshalb wieder mitnehmen.
Island ist teuer. Sehr teuer. Einzig frisch gebrühter Kaffee fällt hier wohltuend aus dem Rahmen. Den größten Schock erlebten wir in einem winzigen Supermarkt, wo zwei Liter Wasser umgerechnet 10 Euro kosten sollten. Auch die 55 Euro für zwei Pizzen in einer Imbissbude schmerzten – wirkten jedoch nicht wie blanke Abzocke.
Im Vergleich zu meinem ersten Besuch im Jahr 2016 hat sich die Versorgungslage mit Supermärkten deutlich verbessert. Ketten wie „Bonus”, „Krónan” oder „Netto” sind inzwischen gut vertreten. Wer sich die oft empfindlich teuren Menüs in hoteleigenen Restaurants sparen möchte, findet in diesen Märkten eine solide Alternative – etwa belegte Baguettes. In einigen Filialen wird Kaffee kostenlos angeboten, oder man kann seine Wasserflaschen mit frischem isländischem Wasser auffüllen lassen. Vor diesem Hintergrund wirken die besagten 10 Euro für zwei Liter Wasser in der Tat doppelt dreist.
Einen Großteil der insgesamt 2.063 zurückgelegten Kilometer haben wir auf der Ringstraße 1 absolviert – der zentralen Verkehrsachse Islands, die, ihrem Namen entsprechend, die gesamte Insel umrundet. In ihrer Breite würde sie in Deutschland allenfalls einer zweispurigen Landstraße entsprechen, auf vielen Abschnitten eher einer Kreisstraße. Ihr Zustand reicht von „tadellos” – leider nur vereinzelt – über „hier wäre bald Handlungsbedarf” bis hin zu „beachtliche Schlaglöcher, die man besser nicht unterschätzt”. Da das Verkehrsaufkommen jedoch ausgesprochen gering ist, lässt sich all dem meist rechtzeitig ausweichen. Eine wirklich brenzlige Verkehrssituation haben wir in der gesamten Zeit nicht erlebt.
Kommen wir zu den Toiletten. An jedem Hotspot gab es frei zugängliche, stets gepflegte Anlagen – etwas, das man sich hierzulande ebenfalls wünschen würde. Gleiches gilt für die durchgängige Verfügbarkeit von offenem WLAN in Hotels und öffentlichen Einrichtungen. Im Flughafen Keflavík finden sich nahezu überall Lademöglichkeiten für Smartphones und Tablets – nicht vereinzelt, sondern flächendeckend an fast jedem Sitzplatz. Der neue Flughafen BER bietet zwar ebenfalls Ladepunkte in verschiedenen Standards, doch muss man dort schon etwas genauer suchen.
Was haben die sieben Tage Island mit mir gemacht?
Die Weite und die überwältigende Schönheit dieser Landschaft, verbunden mit der Gelassenheit ihrer Bewohner, haben mir etwas gegeben, das ich tatsächlich erhofft hatte: Ruhe. Ich bin ruhiger geworden. Inmitten der Natur, abseits der Wege, habe ich gemeinsam mit meiner Frau in die Stille geschaut – und sie wirklich genossen. Selbst das geduldige Warten auf den richtigen Moment für ein Foto an der Hallgrímskirkja ließ sich mit einem Lächeln nehmen.
Acht Tage ohne Nachrichten – das war eine Wohltat. Kein Krieg, kein Großkotz aus Washington, kein Kriegsverbrecher in Moskau, keine Hetze aus dem rechten Spektrum. Eine echte Erholung.
Werde ich diese Insel noch einmal besuchen? Wahrscheinlich nicht in dieser Form. Ich war nun zweimal hier und habe diese Rundreise schon vor zehn Jahren unternommen. Seither hat sich vieles verändert – manches zum Nachteil. 2016 war es noch einfacher, einfach irgendwo anzuhalten, aus dem Auto zu steigen und sich in der Stille zu verlieren. Ein drittes Mal werde ich diesen Weg nicht gehen. Sollte ich Island noch einmal besuchen, dann auf ganz andere Weise.
Ich danke euch fürs Lesen und für die netten Nachrichten, die uns erreicht haben. Gebt mir ein paar Tage, um die Fotos zu sichten, auszusortieren und aufzubereiten – dann stelle ich sie hier online.
Tschüss!
Alkes Resümee
Für mich war es die erste Reise auf diese Insel – und mit ihr kamen gefühlt tausend Eindrücke und Emotionen auf einmal.
Wir kamen bei Nieselregen an. Und dennoch legte sich von Beginn an eine angenehme Entspanntheit über mich – sieht man von den Erfahrungen bei der Mietwagenfirma ab.
Schon die erste Fahrt nach Reykjavík zeigte mir die facettenreiche Schönheit dieser Insel. In den Bergen lag noch Schnee. Die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h auf der Ringstraße sorgte unmittelbar für eine willkommene Entschleunigung. Alle hielten sich mehr oder weniger daran, und ich spürte keinerlei Hektik.
Die Hotels wirkten unkompliziert und einladend – der Name genügte, und man war willkommen. Die Zimmer waren schlicht, stets sauber und immer mit Wasserkocher und löslichem Kaffee ausgestattet.
Meine erste Supermarkterfahrung machte ich beim „Bonus” in Reykjavík – und sie hinterließ einen bleibenden Eindruck. Die Preise verschlugen mir kurz den Atem. Obwohl ich wusste, dass Island kein günstiges Pflaster ist, war die Begegnung mit der Realität dennoch ein kleiner Schock. Als ich mich damit abgefunden hatte, konnte ich die erste gemeinsame Reise mit meinem Ehemann von ganzem Herzen genießen.
Wo immer wir hinkamen, begegneten uns höfliche, offene und gesprächsbereite Menschen. Meine Englischkenntnisse sind begrenzt, und Isländisch liegt ohnehin außerhalb meiner Reichweite – und dennoch war Verständigung kaum ein Problem. Englisch sprach buchstäblich jeder, sogar die französischen Touristinnen und Touristen. Und wenn Einheimische merkten, dass ich mich schwerer tat, verlangsamten sie einfach ihr Tempo. Keine Ungeduld, kein Seufzen – nur Aufmerksamkeit.
Öffentliche Mülleimer sind in Island – abgesehen von Reykjavík – nahezu unbekannt. Das störte mich durchaus. An fast allen Tagen transportierten wir unseren Abfall von Hotel zu Hotel. Und doch: Die Insel war, trotz des regen Touristenstroms, von bemerkenswerter Sauberkeit. Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir die öffentlichen Toiletten – fast ausnahmslos kostenlos und gepflegt.
Die Landschaft hat mich innerhalb weniger Stunden schlicht überwältigt. Aus mächtigen Bergen stürzten an unzähligen Stellen Wasserfälle herab – mal romantisch und zart, mal beinahe bedrohlich, doch allesamt von betörender Schönheit. Mitte April lag noch viel Schnee, und die vulkanischen Strukturen boten ein Farb- und Formenspiel, bei dem man immer wieder neu hinschauen musste.
Immer wieder kreisten meine Gedanken um die Faszination von Wasser und Feuer: Wie harmlos das eine wirkt – und wie mächtig es sein kann. Wie romantisch das andere erscheint – bis man vor den erkalteten Lavafeldern steht und begreift, welche zerstörerische Kraft dahintersteckt.
Das Wetter war auf unserer Seite. Die Sonne tat ihr Bestes. Das hatte freilich auch seinen Preis: weiche Böden, nasse Schuhe und der Verzicht auf spontane Ausflüge zu einem der unzähligen Wasserläufe. Man kann nicht alles haben. Die Islandponys auf den weitläufigen Weiden störten sich daran jedenfalls nicht.
An den Stellen, an denen wir kurz anhielten – auf Parkplätzen, in Einfahrten – herrschte jene unglaubliche Stille, die sich nur schwer beschreiben lässt. Schneebedeckte Vulkane, Wasserfälle, kaum befahrene Straßen. Ich könnte noch lange weiter schwärmen.
Diese Insel hat mich – abgesehen von den Preisen, die ich lieber beschweige – vollständig in ihren Bann gezogen. Was verbirgt sich im Landesinneren? Wie fühlt sich Island im Sommer an, im Herbst, im Winter? Die Neugier ist geweckt, und ich könnte mir gut vorstellen, zurückzukehren.
Diese acht Tage haben mir sehr gutgetan. Ich werde noch lange an sie zurückdenken.
Bis zur nächsten Reise.