Die Rede des Brautvaters

Liebe Dani, lieber Laurin,

ihr seid kein „traditionelles“ Paar. Aber heute kann ich euch etwas „Traditionelles“ nicht ersparen: eine Rede des Brautvaters.

An alle, die jetzt eine lange und langweilige Rede befürchten: Keine Sorge, ich fasse mich kurz!

Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich es hinter mir habe. Denn heute ist für mich ein besonderer und sehr emotionaler Tag, und ich weiß noch nicht, wie viele Taschentuch-Pausen ich einplanen muss. Ich bitte um Nachsicht und um ein paar aufmunternde Blicke.

Dass die Rede nicht langweilig wird, kann ich nicht versprechen. Das liegt ja bekanntlich im Auge des Zuhörers oder der Zuhörerin.

Zwei Menschen, die sich seit mehr als 20 Jahren kennen und gemeinsam durch dick und dünn gegangen sind, haben sich heute das Ja-Wort gegeben. Wer so lange durchhält, dem möchte man einfach gratulieren.

Liebe Dani,

ich erinnere mich noch genau an den Tag deiner Geburt. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis ich dich endlich zum ersten Mal im Arm halten durfte. Danach habe ich glücklich und stolz die frischgebackenen Omas und Opas informiert. Ich glaube, ich habe dabei ziemlich laut telefoniert.

Seitdem gab es unzählige Tage, die du allein durch dein Dasein zum Strahlen gebracht hast. Zum Beispiel, als du im Urlaub die Brötchen der Nachbarn viel leckerer fandest als unsere eigenen. Oder als du voller Stolz mit deinem ersten Fahrrad über den Römerwall gesaust bist, nachdem wir gemeinsam die Stützräder abmontiert hatten. Wobei „gesaust“ vielleicht etwas übertrieben ist, und „gemeinsam“ auch. Sagen wir: Du hast gesaust, ich bin hinterhergerannt.

Auch die kleinen Sorgen sind nicht vergessen. Du wolltest absolut kein Gemüse und keinen Käse essen. Und was ist daraus geworden? Schaut euch diese Frau heute an! 😄

Deine Willenskraft, bestimmte Nahrung abzulehnen, war enorm. Mama und ich haben uns ernsthaft Sorgen gemacht, dass dir die einseitige Ernährung schaden könnte. Dich umzustimmen war aussichtslos. Rückblickend war das der Moment, in dem du angefangen hast, die Bausteine für eine eigene Meinung zu legen. Und was soll ich sagen: Das Fundament steht bis heute. Und das ist toll!

Als deine Schwester zur Welt kam, hast du dich liebevoll um sie gekümmert und von Anfang an versucht, ihr eine gute große Schwester zu sein. Voller Stolz hast du deine Puppe „MEINE Rebekka!“ genannt! Das war eine klare Ansage an alle, wie du zu deiner Schwester stehst. Du hast ihr die Welt mit deinen Augen erklärt und wolltest (und solltest du auch) sie beschützen.

Dann kam die Schule, der nächste große Schritt. Endlich konntest du Buchstaben lernen und die ersten Bücher selbst lesen. Mama und ich kamen mit dem Heranschaffen neuer Bücher kaum hinterher. Unsere Bibliothekskarte hat geglüht und Flohmärkte waren eine sehr gute Quelle für literarischen Nachschub. Und bald war auch die „Hex, hex!“-Phase bei dir vorbei. Deine Schwester Rebekka sollte diese aber gerade für sich entdecken. Oh boy!

Natürlich fandest du nicht alles toll, was jetzt auf dich zukam. Da war diese eine Lehrerin, die ihren Beruf gründlich missverstanden hatte. Ich habe ihren Namen vergessen. Und im Idealfall hast du ihn auch vergessen.

Es gäbe noch so viele Geschichten, aber dann könnte ich mein Versprechen einer kurzen Rede nicht halten. Eine muss ich aber noch erzählen: den Tag, an dem Laurin in unsere Familie kam.

Als Dani uns zum ersten Mal von Laurin erzählte, war ich ein typischer Papa. Erst: „Meine Tochter hat einen Freund!“ Dann: „Meine Tochter hat einen FREUND?!“ 😱

Ich habe mich sehr für dich gefreut, war aber gleichzeitig überzeugt, meine große, kleine Tochter beschützen zu müssen. Laurin hat es mir leicht gemacht, den Beschützerinstinkt wieder herunterzufahren, und wurde schnell ein Teil unserer Familie. Auch wenn man ihn am Anfang nicht ganz so oft zu Gesicht bekam … 😉

Daniela, du hast einen tollen Geschmack! Ich bin sehr glücklich, Laurin meinen Schwiegersohn nennen zu dürfen.

Alke und ich wünschen euch für eure gemeinsamen Tage als Frau und Mann von Herzen alles Liebe!

Meistert die Wege des Lebens weiterhin so wie bisher: Fallt hin, steht wieder auf und seid einander dabei immer der beste Freund an der Seite.

So, das hätten wir alle geschafft, ihr und auch ich!

Wir erheben unser Glas auf euch! 🥂